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Stadtmodell von Karl Weingand
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Seit vielen Jahren ist das Modell von Heilbronn, das die Reichsstadt um das Jahr 1800 zeigt, Mittelpunkt der Dauerausstellung "Der Vergangenheit nachgespürt" im Deutschhof.
Sein Erbauer, Karl Weingand, wurde am 5. Dezember 1882 in Straßburg geboren und starb am 15. September 1969. Sein Vater stammte aus einer alten Heilbronner Familie. Karl Weingand absolvierte eine Lehre als Bankkaufmann und übte diesen Beruf bis zu seiner Pensionierung 1948 aus.
1914 hatte er Emma Schliz aus Tettnang geheiratet. Beide teilten die große Freude an alten Städten und insbesondere an Fachwerkbauten. Dazu kamen die passenden handwerklichen Fähigkeiten. Beginnend mit einer Spielstadt für ihre Kinder brachten sie den Modellbau zu höchster Perfektion. Karl Weingand übernahm den minutiösen „Rohbau“ der Häuser, Emma Weingand hatte die künstlerische Gewandtheit, mit der sie die diffizile Bemalung meisterte.
Nach dem Tod der Mutter 1956 übernahm Tochter Lore diesen Part, die dann auch den Großteil der Heilbronner Häuser bemalte. Gesellenstück der Weingands war gewissermaßen das Modell von Alt-Stuttgart, das 1955 bei der Landesausstellung am Killesberg gezeigt wurde.
1956 schlossen die Stadt Heilbronn und Karl Weingand einen Werkvertrag; er sollte bis Ende 1961 gegen ein Honorar von 40.000 DM ein Modell der alten Reichsstadt bauen. Nach Verzögerungen konnte es schließlich 1963 im Foyer des Rathausanbaus an der Lohtorstraße aufgestellt werden und wurde 1976 in den Deutschhof umgesetzt.
Das Modell ist mit deutlich über 1000 Gebäuden sicherlich das Meisterstück der Familie Weingand. Die über den Krieg geretteten Bauakten dienten als Grundlage für den Modellbau. Dadurch wurde ein große historische Genauigkeit erreicht.
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Karl Weingand beim Modellbau
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Als ob ihm die Arbeit an den Modellen nicht genügt hätte, widmete sich Karl Weingand schon von Jugend an einem weiteren Hobby, das ebenfalls einen scharfen Blick und eine ruhige Hand erforderte: dem Scherenschnitt. Er fertigte über die Jahre Hunderte solcher feinen Schwarz-Weiß-Bilder, von denen das Stadtarchiv vor Jahren einen Teil gestiftet bekam.
Es geht dabei meist um Menschliches und Allzumenschliches, oft in kleinen Serien wie „Märchen“, „Stille Zecher“, „Die Wäscherinnen“, „Sport“ oder „Herzen“. Aber auch Tiere und besonders die Hunde der Familie sind fast auf jedem Blatt als Beteiligte oder Zuschauer zu finden.
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"Bayerische Impressionen" - Scherenschnitt von Karl Weingand; 1946
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