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Heilbronn - aus seiner Geschichte von 741 - 1803
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Teil 3: Vom Bauernkrieg bis zum Ende der Reichsstadtzeit
Christhard Schrenk |
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Die Ereignisse der südwestdeutschen und der deutschen Geschichte wirkten sich in jenen Jahren besonders intensiv in Heilbronn aus. 1519 bis 1522 verbrachte Götz von Berlichingen als Gefangener des Schwäbischen Bundes in ritterlicher Haft in Heilbronn. 1525 griffen die Ereignisse des Bauernkrieges auf die Reichsstadt über. Am 2. April 1525 fand sich im heilbronnischen Dorf Flein eine Bauernversammlung zusammen, die den "Neckartaler Haufen" bildete und Jäklein Rorbach aus Böckingen zu ihren Anführer wählte. Rorbach trug zusammen mit der "Schwarzen Hofmännin" die Verantwortung für die Weinsberger Bluttat an Ostern 1525, als am 16. April zahlreiche Adelige von den Bauern grausam ermordet wurden.
Die Meinung in Heilbronn über die Vorgänge und Hintergründe dieser Vorgänge war geteilt. Der Rat der Stadt sah sich aber am 19. April gezwungen, die Tore zu öffnen und 200 Aufständische einzulassen. Im Schöntaler Hof traten diese wenig später zum sogenannten Bauernparlament zusammen. Dabei gelang es jedoch nicht, die unkontrollierbar gewordene Revolution wieder auf die berechtigten Forderungen zurückzudrehen. Am 12. Mai beendete der Schwäbische Bund den Bauernkrieg auf militärische Weise.
Jäklein Rorbach wurde auf der Flucht gefangengenommen und am 21. Mai - sieben Wochen nach seiner Wahl zum Bauernführer - bei Neckargartach an einen Weidenbaum gebunden und zu Tode geröstet.
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Eine gegenüber allen Beteiligten zur Zurückhaltung auffordernde Rolle hatte in diesen unruhigen Zeiten der Heilbronner Reformator Johann Lachmann gespielt. Er ermahnte die Bauern zur Mäßigung und richtete gleichzeitig deutliche Worte an den Rat der Stadt Heilbronn. Lachmann predigte spätestens im Jahre 1524 im Sinne der Lehre Luthers. Der Durchbruch des neuen Glaubens in Heilbronn auf politischer Ebene gelang 1528 mit der Wahl von Hans Riesser zum Bürgermeister. 1529 trat die Reichsstadt der Speyerer Protestation bei, 1530 der Augsburger Konfession und 1538 dem Schmalkadischen Bund, zu welchem sich bereits 1531 die evangelischen Kräfte gegen den katholischen Kaiser zusammengeschlossen hatten.
1546 kam es zum Krieg zwischen den Schmalkaldenern und Karl V., den der Kaiser siegreich beendete. Am Weihnachtstag 1546 traf der Herrscher in Heilbronn ein und hielt Strafgericht.
1552 ersetzte er die paritätische Verfassung Karls IV. durch eine aristokratische Regimentsordnung. Diese sah drei Gremien vor: den Inneren Rat, den Äußeren Rat und das Gericht.
Den größten Einfluß besaß der Innere Rat, der später auch lediglich als Rat bzw. als Senat bezeichnet wurde. Er setzte sich aus drei Bürgermeistern, vier Steuerherren und acht Senatoren zusammen. Die drei Bürgermeister wechselten sich in viermonatigem Rhythmus mit der Führung der Amtsgeschäfte ab. Der Innere Rat behandelte in wöchentlich drei Sitzungen alle wichtigen Angelegenheiten der Stadtpolitik.
Als Untergruppe des Inneren Rates trat der Geheime Rat bei eiligen Angelegenheiten zusammen und fällte Sofortentscheidungen. Diesem innersten Zirkel der Macht gehörten die drei Bürgermeister und die beiden dienstältesten Steuerherren an. Der Innere Rat wurde formal jährlich am 2. Januar gewählt, tatsächlich ergänzte er sich aber selbst. Ihm stand das Recht der Ernennung der städtischen Beamten und die Wahl der Mitglieder der beiden anderen Gremien - Äußerer Rat und Stadtgericht - zu.
Das Stadtgericht setzte sich aus elf Assessoren oder Richtern und dem Anwalt als erstem Votant zusammen. Ihm stand der Schultheiß vor. Die Entscheidungsbefugnis des Gerichts bezog sich aber lediglich auf zivilrechtliche Angelegenheiten, da z.B. für Kriminalfälle der Innere Rat zuständig war.
Während sich das Stadtgericht wöchentlich zu zwei Sitzungen traf, wurde der Große Rat als drittes Gremium nur bei besonderen Anlässen einberufen, z.B. beim jährlichen Schwörtag an Dreikönig, an welchem die Bürgerschaft auf dem Marktplatz dem Inneren Rat huldigte.
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Auf diesen Regelungen Karls V. von 1552 basierte für zweieinhalb Jahrhunderte bis zum Ende der Reichsstadtzeit 1802/03 die Verfassung Heilbronns. In der Praxis verfügten im 18. Jahrhundert fast alle Rats- und Gerichtsmitglieder über eine akademische Ausbildung. Bis zum Ende der Reichsstadtzeit übten vier Vögte in den vier Herrendörfern die landesherrliche Gewalt aus. Eigentlich hatten die drei Bürgermeister und der Schultheiß diese Ämter inne, tatsächlich nahm aber ein Landkommissär die entsprechenden Aufgaben wahr. Die Leibeigenschaft in den Dörfern wurde bis 1802/03 nicht aufgehoben.
Die Heilbronner Bürger lebten hauptsächlich vom Wein-, Garten- und Obstbau, aber auch vom Handel, welcher wiederum in verschiedener Weise ganz wesentlich auf dem Neckar beruhte. Nach 1500 entwickelte sich Heilbronn zu einem Vieh-Umschlagplatz. Der damit verbundene Handel gelangte zu immer größerer wirtschaftlicher Bedeutung und reichte schließlich bis nach Paris. Das Handwerk spielte eine nur durchschnittliche Rolle. Das Gewerbe gewann dagegen zum Ende des 18. Jahrhunderts ganz wesentlich an Bedeutung und wurde zur Grundlage der Industrialisierung.
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Das 17. Jahrhundert war für Heilbronn von verschiedenen militärischen Ereignissen geprägt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde 1622 - nach der Schlacht bei Wimpfen - Neckargartach niedergebrannt.
Im Sommer 1631 besetzten kaiserliche Truppen die Stadt. Diese wurden im Dezember 1631 von Schweden vertrieben, welche nun ihrerseits Heilbronn okkupierten und zur Festung ausbauten.
1633 hielten die Schweden in der Stadt den Heilbronner Konvent ab. Dabei gelang es deren Kanzler, Axel Oxenstierna, den Heilbronner Bund als Allianz evangelischer Kräfte zu schmieden. 1634 wendete sich das Blatt erneut: Bis 1647 hielten Truppen des Kaisers und Kurbayerns die Stadt besetzt. Danach zogen Franzosen in Heilbronn ein, die 1650 durch kurpfälzische Soldaten abgelöst wurden. Erst als 1652 auch diese abzogen, war für Heilbronn der Dreißigjährige Krieg beendet. Die Reichsstädter begingen dieses erfreuliche Ereignis mit einem großen Dankfest.
Schon wenige Jahre später hatte Heilbronn unter den Konflikten mit Frankreich im Vorfeld der Pfälzischen Erbfolgekriege zu leiden, in deren Verlauf die Stadt häufig zum Dreh- und Angelpunkt von Truppenbewegungen wurde. So sammelten sich 1674 hier etwa 400 Mann des Schwäbischen Kreises und des kurbrandenburgischen Heeres. 1676 wurden bei Heilbronn die kaiserlichen Truppen vor der Einnahme von Philippsburg zusammengezogen.
Nach einer vorübergehenden Einstellung der Kampfhandlungen überschritten die Franzosen 1688 erneut den Rhein und standen im nächsten Monat bereits vor Heilbronn. Die Reichsstadt mußte bis zu 4000 Mann französische Besatzungstruppen aufnehmen, die vom 8. Oktober bis zum 18. Dezember allein aus dem Ratskeller 17 000 Liter Wein konsumiert haben sollen. In der zweiten Dezemberhälfte rückten kursächsische Truppen an. Daraufhin zogen die Franzosen ab, nicht jedoch ohne der Stadt eine riesige Kontributionssumme aufzuerlegen. Da Heilbronn nicht bezahlen konnte, nahmen die Feinde neun angesehene Bürger als Geiseln mit, die zum Teil über ein Jahr lang gefangengehalten wurden.
1691 wurde bei Heilbronn zur Vertreibung der Eindringlinge ein großes Heer zusammengezogen. 1693 errichtete der Markgraf von Baden in der Nähe der Reichsstadt zwei starke Verteidigungsstellungen gegen die Franzosen. Eine Schlacht fand jedoch nicht statt.
Im 18. Jahrhundert erlebte Heilbronn eine außenpolitische Ruhephase, die von einigen Truppendurchzügen im Rahmen des Österreichischen Erbfolgekrieges nicht nachhaltig gestört wurde. So konnte sich zum Ende der Reichsstadtzeit nochmals eine Blüte entfalten, die sich auf wirtschaftlichem, städtebaulichem und kulturellem Gebiet zeigte. Zahlreiche Persönlichkeiten, wie Schiller und Goethe, weilten in den Mauern von Heilbronn. Die positive äußere Lage führte zu einem grundsätzlichen Konsens zwischen allen städtischen Schichten. Wesentliche Unruhen sind nicht überliefert, wenn man vom Neckargartacher Aufstand um 1750 absieht.
Am 9. September 1802 begann das jähe Ende dieser angenehmen und ruhigen Phase mit der Besetzung der Stadt durch 470 Soldaten der herzoglich-württembergischen Truppen - Heilbronn hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 100 Mann unter Waffen. 1803 verlor dann die Stadt - wie so viele andere Mächte auch - ihre Reichsunmittelbarkeit und damit auch ihr eigenständiges Gerichtswesen, ihre Militärhoheit, ihr eigenes Maß- und Gewichtssystem, ihr Territorium, ihre alte Verfassung usw. Daß Heilbronn im Gegenzug den Rang einer württembergischen Oberamtsstadt erhielt, war ebensowenig ein Trost wie die Ernennung zur "guten Stadt".
Im Gegensatz zur Situation in anderen Reichsstädten zogen sich die politisch ehemals selbständigen Heilbronner nicht ins Privatleben zurück, sondern lenkten ihre Aktivität in eine andere Richtung. So begann - auf der Grundlage einer starken Gewerbetradition - der fast beispiellose Aufstieg Heilbronns zu einer der größten Industriestädte in Württemberg zum Ende des 19. Jahrhunderts.
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