 |
|
|
Arbeitsvorschläge
|
Didaktische Überlegungen
Die Schreibaufgabe orientiert sich an gestaltpädagogischen Ansätzen von Peter Knoch (Dines, Peter; Knoch, Peter: Menschen im Bombenkrieg, in: Praxis Geschichte 5/1990, S. 32-38; s.a. Knoch, Peter: Geschichte und Gestaltpädagogik – Einige experimentelle Erfahrungen, in: Uffelmann, Uwe (Hg): Didaktik der Geschichte. Villingen-Schwenningen 1986). Dabei sollen Emotion und Körperlichkeit der Schüler nicht ausgeblendet werden; Lernen soll Gelegenheit zu Selbstausdruck und Identitätsdarstellung geben.
Nach einleitenden Informationen des Lehrers zum Thema und der Frage nach eigenen Erfahrungen sollen sich die Schüler in eine Person hineinversetzen und in der Ich-Form beschreiben (körperliches Gefühl, Empfindungen, Erlebnis/Erfahrung ...). Beim Vorlesen der Texte ergeben sich aus persönlicher Betroffenheit weitere Frageansätze und größere Zusammenhänge, die im Unterricht thematisiert werden können.
|  |
|
 |
|
Einzelstunde
Die Schüler erhalten zunächst Text- und Bildquellen, die den Alltag der Heilbronner im II. Weltkrieg darstellen. Anschließend sollen sie sich in die Lage eines gleichaltrigen Jugendlichen versetzen, der den 4.12.1944 erlebt. In einem fiktiven Tagebucheintrag sollen sie ihre Gedanken und Gefühle in der Ich-Form zu Papier bringen. Dieser Baustein enthält sowohl Text- als auch Bildquellen und Lösungsvorschläge von Schülern.
|  |
|
 |
|
Arbeitsauftrag – Einzelstunde (Schreibaufgabe zum 4.12.1944) Nach einleitenden Informationen zum Thema und dem Gespräch über Vorerfahrungen der Schüler erhalten diese folgende Aufgabe:
Versetze dich in die Lage eines gleichaltrigen Jugendlichen, der den 4.12.1944 miterlebt hat. Verfasse einen fiktiven Tagebucheintrag. Schreibe in der Ich-Form, was du erlebst, denkst, fühlst. Was hörst du, was siehst du, was schmeckst / riechst du?
|  |
|
 |
|
Lösungsbeispiele
Fiktiven Tagebucheinträge, verfasst von Schülerinnen einer 9. Klasse der Helene-Lange-Realschule Heilbronn.
|  |
|
 |
|
Längerfristiges Projekt
Die Schreibaufgabe kann ebenso im Mittelpunkt eines längerfristigen Projekts stehen. Hier kann vor dem Schreiben der Besuch eines ehemaligen Luftschutzbunkers stehen, um sich besser in die Situation hineinversetzen zu können. Weiter bietet es sich an, die Vorgeschichte von NS-Ideologie, Aufrüstung und Luftkrieg erarbeiten und darstellen zu lassen, Zeitzeugen zu befragen und das heutige Heilbronn mit dem Heilbronn vor der Zerstörung vergleichen zu lassen. Das Stadtarchiv bietet in seiner Virtuellen Ausstellung einen eigenen Bereich zum Thema 4. Dezember 1944. Ab dem Schuljahr 2012/13 kann auch die neue Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte besucht werden, um eine Vorstellung vom „alten Heilbronn“ zu vermitteln. Schüler können außerdem im Stadtarchiv zu diesem Thema recherchieren.
Ziel des Projekts, wie es mit einer 9. Klasse der Helene-Lange-Realschule durchgeführt wurde, kann die Erarbeitung einer Ausstellung zum Thema sein, begleitet von einem Podiumsgespräch mit einem Zeitzeugen. Der Baustein enthält eine Projektübersicht und weiterführendes Material (s. Quellen). Was von den Schülern erarbeitet wurde, ist unter der Rubrik Ergebnisse zu sehen.
|  |
|
 |
|
Übersicht über mögliche Projektaktivitäten
Projektplanung
Bericht über das Projekt in der Heilbronner Stimme Nr. 107, 11. Mai 2005, Seite 28 - Heilbronner Stimme
|  |
|
 |
|
Beispiel: Besuch eines ehemaligen Luftschutzkellers in Sontheim
Der Gewölbekeller in der Görresstraße 4 in Heilbronn-Sontheim wurde im 18. Jahrhundert als Vorratskeller für den Deutschorden erbaut. Von den beiden anderen Deutschordenskellern – an der Zehntscheuer und am Katholischen Gemeindehaus - unterscheidet er sich dadurch, dass er während des Zweiten Weltkriegs als Luftschutzbunker für etwa 20 Personen aus dem Haus und aus der Nachbarschaft diente.
Frau Doris Schlamp, die als 15-Jährige den Luftangriff am 4.12.1944 in diesem Keller erlebte, führt immer wieder Schulklassen in diesen Keller. Die anschauliche Erzählung der Zeitzeugin verbindet sich für die Schüler mit vielfältigen sinnlichen Eindrücken: Die Luftschutzbetten des 4.12.44 stehen noch im Keller, der Notausstieg über das Kellerfenster ist zu sehen; Kälte, Enge und Feuchtigkeit sind umso deutlicher zu spüren, je länger man sich im Keller aufhält.
Die Vorstellung, eine ganze Nacht in diesem Keller verbringen zu müssen, verkürzt zumindest die große Distanz heutiger Jugendlicher zum damaligen Geschehen.
|  |
|
 |
|
Zusatz: Klosterkeller Heilbronn
Im April 2007 bot sich die Gelegenheit, den so genannten Klosterkeller letztmalig zu besichtigen. Im Zuge der Überbauung des Klosterhof-Areals (zwischen den ehemaligen Geschäften Foto-Mangold, Kaufhaus Beilharz und Eisen-Schweiker) wird der Keller abgetragen. Die bei dieser Besichtigung aufgenommenen Bilder geben in Verbindung mit Zeitzeugenberichten über den 4. Dezember 1944 einen kleinen Eindruck davon, wie die Insassen des Bunkers ihre letzten Stunden verbracht haben müssen.
Im Jahr 1939 wurde der Weinkeller als öffentlicher Luftschutzraum eingerichtet. Solche Sandsteingewölbe, wie sie in der Heilbronner Altstadt meist in kleinerer Größe vorhanden waren galten boten gegen Bombardierungen aus der Luft ausreichend Schutz und wurden deshalb entsprechend ausgestattet. Leider erkannte man in Heilbronn nicht, welche Gefahr für die Menschen in den Kellern von den Flächenbränden ausgingen, die durch die Bomben ausgelöst wurden. Es wurde gesagt, man könne sich gefahrlos mehrere Stunden in einem Luftschutzraum aufhalten. Die Menschen, die in den Kellern blieben, starben an Kohlenmonoxidvergiftung, verursacht durch die gewaltige Feuersbrunst in der Heilbronner Altstadt. Im Klosterkeller waren es über die 600 Menschen, die am 4. Dezember 1944 starben. Der Keller war an diesem Abend mit doppelt so vielen Personen belegt wie in der Planung vorgesehen.
Nach dem Krieg wurde das Gewölbe Weinkeller, dann Lagerraum und 1970 Tanzsaal.
|  |
|
 |
|
Mehr zum Klosterkeller |  |
|
 |
|
|
|
|